Die 33. Ausgabe vom Gurten Festival begeisterte
Die 33. Ausgabe vom Gurten Festival begeisterte

Das Gurtenfestival - gute Organisation und für alle etwas dabei

Donnerstag, 14.07.2016

Mit unserer Medien-Akkreditierung hatten wir das Privileg, an der Schlange zur Gurtenbahn vorbeizugehen und ohne Wartezeit die Bahn zu besteigen - erste Klasse. Aber auch für diejenigen ohne Akkreditierung gestaltete sich der Aufstieg praktisch genauso unkompliziert. Denn wem die Wartezeit jeweils zu lang ist, hat beim Gurtenfestival immer auch die Möglichkeit, den Berner Hausberg zu Fuss zu besteigen (was by the way viele freiwillig tun und sich so das erste Bier bei der Mittelstation gönnen).

Oben angekommen erlebten wir auch den Bändelaustausch als sehr speditiv. Somit dauerte es nur kurz und wir wurden von Michael Kiwanuka pünktlich um 16:15 Uhr in der Zeltbühne empfangen. Trotz des starken Regens waren doch schon einige Musikbegeisterte auf dem «Güsche» und «parat» fürs Konzert des Singer/Songwriter, der bereits einen Tag vor seinem Release die neuen Songs seines zweiten Studioalbums «Love & Hate» dem Publikum präsentierte. Mit Songs wie «Black Man In A White World», «Home Again» oder dem Titeltrack «Love & Hate» sorgte der Londoner Retro-Soulsänger für erste Gänsehautmomente und somit für das erste Highlight am Gurtenfestival 2016.



Der Donnerstag war das erste Mal überhaupt ausverkauft, dazu hat bestimmt auch der unschlagbare Headliner Muse verholfen. Mit der Verpflichtung von Muse stiess das Festival in eine neue Dimension vor. Um 23:00 Uhr war es dann so weit. Matt Belamy und Anhang begeisterten auf ganzer Linie und lieferten eine spektakuläre Bühnenshow ab. Die britische Rockband zeigte einmal mehr, dass sie einer der besten Live-Acts überhaupt sind. Wärend 1h50 spielten sie mit «Psycho», «Dead Inside», «Mercy», «The Handler» & «The Globalist» gleich fünf Songs aus ihrem aktuellen Album «Drones». Zudem gaben sie ihre Klassiker wie «Stockholm Syndrome», «Plug In Baby», «Starlight», «Hysteria» oder «Uprising» zum Besten. Als dann zum krönenden Abschluss «Knights Of Cydonia» erklang, sprengten sie alle Dämme. Muse hatte sichtlich Spass auf der Bühne, denn nach den jeweilgen Songs jammten sie ab und an für Minuten weiter - einfach grossartig!​

      


Freitag, 15.07.2016

Am Freitag versammelten wir uns dann um 15:30 Uhr bei der Hauptbühne. Das schwedische Rock-Duo Johnossi stand auf dem Plan und diese bescherten uns mit den Songs «18 Karat Gold» und «Man Must Dance» einen gelungenen Einstieg und heizten dem Publikum so richtig ein. Und endlich, die Sonne war da!




Gentleman & Ky-Mani Marley, die um 19:00 Uhr auf der Hauptbühne auftraten, haben uns weniger aus den Hecken gerissen. Unter anderem lag es daran, dass die beiden viel quatschten, vor allem das stetig wiederholende «do you love reegae music» wurde uns irgendwann zu viel des Guten. Doch viele Leute hatten sichtlich Spass am gute-laune-reggae, insbesondere beim Bob Marley Cover Song «No Woman No Cry» sangen fast alle lautstark mit.

Auf die drei jungen Kölner: Christopher Annen, Henning May und Severin Kantereit von der Deutschrock Band AnnenMayKantereit freuten wir uns schon im Vorfeld sehr und wir wurden nicht enttäuscht. Bereits 2013 veröffentlichten die Musiker ihr eigentliches Debüt, doch die Eigenproduktion war schnell vergriffen und so erschien nun im März dieses Jahres mit «Alles Nix Konkretes» ihr Debütalbum. Seit August 2014 ist Malte Huck (Bassist) das vierte Mitglied der Band. Um 20:30 Uhr war es dann auf der Zeltbühne so weit. AnnenMayKantereit begeisterten während 1h15 mit ihrem sympatischen Auftitt, der unglaublichen Stimme von Henning May und Songs wie «Pocahontas», dem Beatles Cover «Come Together», «Oft Gefragt», «21,22,23» und dem überaus gefühlvollen «Barfuss am Klavier». AnnenMayKantereit waren nach der Show sichtlich gerührt - denn das wirklich grossartige Publikum honorierte die Jungs mit tosendem Beifall und einer La-Ola-Welle zum Abschluss.


      


Das Festival im allgemeinen

In mancher Hinsicht ist das Gurtenfestival ein «Treffen» unter Berner und Bernerinnen. Man kennt sich - und möchte gesehen werden. Grundsätzlich war doch auch spürbar, dass die Besucher nicht unbedingt nur wegen den Live-Acts auf den «Güsche» kommen. So wurde das Festival noch für das eine oder andere Paar zum Familienanlass. Kinder bis 12 Jahre dürfen das Festival nämlich auch gratis in Begleitung einer erwachsenen Person besuchen. Andere verbringen ihre Zeit auf dem Gurten nur oder vorwiegend in den Party Zelts wie der «Erwachsenen-only-Zone Rock The Block», der «Casa Bacardi» oder der «Bamboo Bar».

Das Gurtenfestival ist aus verschiedenen Gründen ein originelles Festival. Die Hanglage erlaubt von fast allen Standorten eine gute Sicht auf die Haupt- und Waldbühne (auch die Zeltbühne geniesst leichte Hanglage) - ein riesen Vorteil in unseren Augen. Auch kulinarisch wurden wir nicht enttäuscht. Der Foodcorner betörte durch einen gelungenen Mix aus warmer und kalter, salziger und süsser, schweizerischer und internationaler Küche. Das Tiefpreistauchen des Hauptsponsors Migros brachte zudem nicht nur Spass sondern auch finanzielle Einsparungen.

Mit Erstaunen nahmen wir zudem von der grosszügigen Gratis Akku-Ladestation Kenntnis - unserer Ansicht nach vorbildlich wie die Festivalorganisatoren sich um das Wohl der Festivalbesucher sorgten. So wird auch den Rauchern mit einem gelben Extra-Zigarettenwägeli grosse Aufmerksamkeit geschenkt. Ein Anblick, der an alte Hippiezeiten erinnert und Sympathien weckt. Die Veranstalter legen wirklich besonders Wert darauf, dass es ihren Besuchern an nichts fehlt. So wurden die Festivalbesucher in Zusammenarbeit mit «Young Swiss» und der «Krebsliga Schweiz» kostenlos eingecremt. Auf dem Festivalgelände und in der Sleeping-Zone befanden sich ausserdem mehrere kostenlose Wasserstellen.

Vorreiter ist das Gurtenfestival auch im Thema Hygiene. Um lange Warteschlangen vor den Frauentoiletten zu verhindern, hat die Organisation das Frauenpissoir sog. «Peesy» als eines der ersten Festivals eingeführt. Ein Effort der bei den Frauen verschiedene Emotionen weckt: Stolz, Lachen, Entsetzen und vieles mehr. Doch «Peesy» ist nicht ganz easy (eigens evaluiert): Unabhängig der Emotionen - das Pinkeln im Stehen soll gelernt sein :-)

Für den guten Zweck arbeitete die Gurtenorganisatoren mit «Sleeper», der Notschlafstelle und Gassenküche in Bern, zusammen. Mit Verzicht auf das Geschirr-Depot konnte man als Besucher das Fortbestehen des «Sleeper» und somit Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind unterstützen. Auch in anderen Themen zeigt sich der Gurten moralisch fit. Das Präventionsteam von «Young Swiss» verteilte auf dem Festivalgelände Party Bags mit Ohrstöpsel und weiteren «lebenswichtigen» Accessoires.

Camping

Die Sleeping-Zone neben dem Festivalgelände war gemäss unseren Camperfreunden ebenso gut organisiert. Dank den Vorschriften zur Zeltgrösse sowie dem Abspielgeräteverbot war der Zeltplatz auch wirklich eine Sleeping Zone, wo man sich zurückziehen und Schlaf finden konnte. Ich erinnere mich dabei an diverse Nächte auf Festivalcampings, wo mir dröhnende Lautsprecher oder lallende Partygeier den kompletten Schlaf raubten. Dies scheint definitiv eine Komponente zu sein, wo sich das Festival von anderen Schweizer Festival differenziert. In unseren Augen auch ein riesen Plus. Praktisch für die etwas gesetzteren Campers ist natürlich auch das Selbstwahl-Restaurant «Tapis Rouge», welches während der Festivaltage geöffnet war und den Campern bereits am Morgen früh einen frischen Kaffe mit Gipfeli und Confitüre ermöglichte. Und da das Festivalgelände sogar ein Geldautomaten zur Verfügung stellte, hatte man als Camper also wirklich keinen Grund mehr, den Berg während den Festivaltagen zu verlassen.

Fazit: Beeindruckt von der guten Organisation hatten wir an den beiden Tagen grossen Spass und hoffen, auch im nächsten Jahr wieder dabei sein zu dürfen!

Montag, 18. Juli 2016 | christof | luzia